Das Richtfest

Beim Richtfest siehts in einem Haus
Zumeist noch allerübelst aus.
In Ecken liegen Plastiktaschen
Mit leergetrunknen Bügelflaschen.
Die Maurer pinkeln dreist und stumm
und trunken auf dem Hof herum.

Der Zimmermann geht stolz umher,
Die Arbeit war für ihn nicht schwer.
Er ist auf seinen Erker stolz
Aus Plastik, PVC und Holz.
Er isst acht Brötchen mit viel Mett.
Trinkt neunzehn Bier und muss ins Bett.

Der Klempner war auch gerad beim Pinkeln
Um mit dem Maurer fachzusimpeln.
Er hat die Hose noch nicht zu
Und sagt zum Architekten „Du“.
Der ist verdutzt und dreht sich um,
Der Klempner ist ihm doch zu dumm.

Der Maler guckt auf eine Wand:
„Mal achtzehn, ist schon allerhand!
Die Fenster weg, sind zehn mal zwei mal zwei,
Die Türen: minus zwölf sind wir dabei.
Mal dreikommafünf, mal cirka vier.
Das schaff ich nicht im Kopp, ich brauch´n Bier“.

Ganz einsam in der Ecke steht ein Herr
Vom Bauverordnungsamt, nicht irgendwer.
Er schreibt und trinkt ganz leise vor sich hin,
Und denkt: „Wie schön, dass ich so wichtig bin“.
Der Carport ist eigentlich zu fett.
Ich denke, ich probier erstmal das Mett.

Der Bauherr steht bei seiner Frau.
Die ist als einzige nicht blau.
Sie ist besorgt und fühlt sich krank,
wegen der Zinsen von der Bank.
Der Maurer beisst in eine Wurst.
Jetzt merkt sie endlich: Sie hat Durst.

© Volkmann